Burg Wagrain

Die erhaltenen Reste der mittelalterlichen Burg Wagrain sind über das lokale Umfeld hinaus wenig bekannt, wozu der zuletzt bereits stark ausgeprägte Bewuchs mit seiner zerstörerischen Wirkung ebenso wie der über Jahrhunderte massiv betriebene Steinraub beigetragen haben.

gezeichnete ansicht - burg wagrain

Die jüngsten umfangreichen Maßnahmen zur Stein-gewinnung standen mit der Errichtung des 1939 eingeweihten örtlichen Schwimmbades in Verbindung.

Trotz der markanten Lage auf einer zentral im modernen Ortskern gelegenen Geländekuppe zwischen Oberem und Unterem Markt waren die überwiegend nur mehr knapp über Bodenniveau erhaltenen und dicht überwachsenen Mauerreste für die meisten Besucher nicht mehr als Spuren einer mittelalterlichen Festung zu erkennen.

burg wagrain

Die einst mächtige Burganlage wurde auf einer allseitig steil abfallenden, kegelstumpfförmigen Gelände-erhebung - wohl aus lehmigen Schwemm-schottern über einem Konglomeratstock - errichtet, die das Hochplateau des sogenannten Kirchbodens gegenüber den Taleinschnitten des Schwaighofbaches
(Wagrainer Bad) und des Kleinarlbaches abschirmte.

Die auffallend ebene, etwa 5.000 m2 große Innen- fläche wird von einer bis zu 3 m hoch erhaltenen Umfassungsmauer eingefasst und ist heute durch eine neuzeitlich angelegte Maueröffnung von Osten her zu betreten. Unmittelbar südlich dieses modernen Eingangsbereichs erhebt sich in der Innenfläche ein Rundturm, dessen Rumpfbestand im 19. Jahrhundert mit einem kleineren Gebäude, dem sogenannten "Burghäusl", überbaut und als Keller desselben genutzt wurde.
Auf diese Zweit- Verwendung ist auch ein Mauerdurch-bruch im Erdgeschoß des Turmes zum Zweck einer besseren Zugänglichkeit zurückzuführen. Von der bis 1939 andauernden neuzeitlichen Nachnutzung blieben lediglich eine in dieser Zeit für die Verwendung als Kräutergarten aufgeschüttete Geländeterrasse mit trocken geschlichteter Stützmauer im Südosten der Burganlage und Teile eines unter Einbeziehung mittelalterlicher Baukörper in Trockentechnik errichteten Ziegenstalls erhalten.

Das kleine Bauernhaus wurde bald nach seiner Auflassung bis auf geringe Fundamentreste abgetragen. Spuren einer weiteren (mittelalterlichen) Innenverbauung waren anhand von Gelände-merkmalen im Nordwesten des Plateaus zu vermuten.

Während Fotoaufnahmen bis in die 1950er Jahre aufgrund der bäuerlichen Bewirtschaftung noch allseitig freie Wiesenflächen am Plateau und auf den Hängen zeigen, hatte sich dieses Bild gut ein halbes Jahrhundert später deutlich verändert.


burg wagrain, österreich

Die Geländekante - und somit auch die Reste der nur mehr stellenweise erkennbaren Fluchtkante der Umfassungsmauer - trug ebenso wie die Hänge einen teils dichten Baum- und Strauchbestand, dessen zerstörerische Wirkung bei Arbeitsbeginn bereits weit fortgeschritten war.
Selbiges traf auf den Schuttkegel mit darin eingebettetem Turmstumpf zu, dessen Innenraum zuletzt vor allem als Müllabladefläche und Abenteuerspielplatz genutzt worden war. Das Plateau präsentierte sich hingegen weiterhin als freie Wiesenfläche; im oben erwähnten Nordwestbereich waren einige Spielgeräte aufgestellt sowie ein Sirenenrnast errichtet worden.

Ausschlaggebend für die Aufnahme von archäologischen Forschungen war ein durch den örtlichen Kulturverein "Blaues Fenster" initiiertes Kulturprojekt, das die Errichtung von drei Großschaukeln im Bereich der Burginnenfläche vorsah.
Die dafür benötigten Fundamentierungsarbeiten wurden im Mai 2006 durch die Abteilung für Bodendenkmale des Bundesdenkmalamtes betreut. In Absprache mit dem Bauwerber waren Aufstellungsflächen mit geringem Verdachtsrisiko ausgewählt worden, doch ergaben sich in der Nordostecke der Anlage überraschend Hinweise auf einen bislang unbekannten und an der Oberfläche nicht mehr erkennbaren mittelalterlichen Gebäudegrundriss.

grundriss burg wagrain

In weiterer Folge fand nach einer entsprechenden Vereinbarung mit Grundbesitzern, Gemeinde und Kulturverein im September 2006 in Kooperation mit dem Fachbereich Altertumswissenschaften der Universität Salzburg eine studentische Lehrgrabung statt, die dank der Unterstützung seitens der Gemeinde Wagrain bis 2009 in jährlichen Kampagnen fortgesetzt werden konnte.

Die Testgrabung 2006 konzentrierte sich auf die schon erwähnte Geländeterrasse südlich des Turmes, während die Schnitte der Jahre 2007 bis 2009 im Nordwesten des Plateaus angelegt wurden. Basierend auf den jeweils erzielten Ergebnissen wurde ein entsprechendes Grabungs- und Bestandssicherungskonzept entwickelt, wonach in vorab definierten Teilbereichen die überdeckenden Schichten aus Steinversturz maschinell - unter
archäologischer Aufsicht durch die Abteilung für Bodendenkmale des Bundesdenkmalamtes - abgetragen wurden.

alter plan von wagrain

Nach Freilegung und Dokumentation der Grundriss Befunde erfolgte abschnittweise eine umfassende Sicherung des mittelalterlichen Baubestandes.
Die Kosten dafür konnten durch die Bereitstellung
von Budgetmitteln des Referats 12/05 der Salzburger Landesregierung (Volkskultur und Erhaltung des kulturellen Erbes) abgedeckt werden.

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